Die Top-3-Ziele der Desinformationen

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Stellen Sie sich vor, Sie schreibe für die kremlfreundliche Desinformation und haben eine Schreibblockade. Was dann? Von würden Sie sich inspirieren lassen?

Denken Sie an Dänemark. Seine Tierwelt wird Sie niemals im Stich lassen.

Auf den ersten Blick mag es überraschen, doch die Desinformation sucht oftmals ihre Inspiration in der Tierwelt Dänemarks. Diese Woche behauptete die englischsprachige Ausgabe von Sputnik, Dänemark sammle ungewollte Haustiere seiner Bevölkerung um sie Raubtieren zu verfüttern. Es wird lebhaft beschrieben, wie für „diejenigen, die ihre Haustiere nicht mehr haben wollen, hungrige Raubtiere des Kopenhagener und Givskuder Zoos mehr als bereit sind, diese Sache zu übernehmen“.

Tatsächlich können Tiere nicht einfach beim Zoo angeliefert werden und die beschriebene Praxis ist keine Möglichkeit, unliebsame Haustiere loszuwerden. Es ist nicht ungewöhnlich, Raubtiere mit eingeschläferten Tieren zu füttern und die korrekte Fütterung ist eine Voraussetzung für das Wohlergehen der Tiere.

So zeigt dieses Beispiel das bekannte Muster, wie Desinformation funktioniert. Indem der Artikel bereits existierende Vorurteile der Zielgruppe benutzt, verstärkt er das verzerrte Bild von Dänemark als einen für Tiere außergewöhnlich grausamen Ort. Und das ist nicht das erste Mal.

Sputnik illustrierte den Desinformationsartikel mit einem Tweet aus dem Jahr 2014, als sich russische Medien umfassend mit der Geschichte einer Giraffe in einem dänischen Zoo beschäftigten, welche eingeschläfert und seziert wurde.

Die Zensur von Bedrohungen

Man betrachte die Øresund-Brücke zwischen Dänemark und Schweden: Schon steht eine vielfältige Sammlung von Vorurteilen der kremlfreundlichen Desinformationskampagne zur Verfügung.

Ein georgisches Desinformationsmedium verfälschte ein BBC-Interview mit dem Chef der schwedischen Sicherheitsbehörde, Anders Thornberg. Die Teile des Interviews wurden herausgeschnitten, in denen Thornberg vor ausländischer politischer Einmischung im Vorfeld der dortigen Wahlen warnte. „Es ist sehr wichtig für uns dies zu verfolgen und wir in Schweden sind nicht schüchtern—wir sagen, dass Russland in dieser Hinsicht die größte Bedrohung für unsere Sicherheit darstellt,“ sagte er. Jedoch ist in der georgischen Desinformation die einzige Bedrohung, auf die sich Thornberg bezieht, die zunehmende Bedrohung des Extremismus. Damit wird die Idee von Schweden als einem Land gestützt, das aufgrund von Einwanderung an der Schwelle eines Krieges steht.

In Russland wurden dieselben Erwartungen des Publikums mit einer anderen Geschichte genährt: Schweden führe ein neues Gesetz ein, das von Personen mit sexuellen Beziehungen verlange, sie müssten die beiderseitige Zustimmung zum Sex aufzeichnen oder schriftlich notieren. Dies wegen der vielen Vergewaltigungen, die von Migranten in Schweden begangen worden seien. Ria Novosti formulierte zu dem Artikel eine Abänderung eines russischen Sprichwortes: „Was ist leichter? Die Einwanderungspolitik ändern oder das eigene Volk einschüchtern, damit sich andere fürchten?“ Der Artikel basiert auf einer Fehlinterpretation der Mechanismen demokratischer Entscheidungsfindung und verleitet den Leser zu dem Glauben, Schweden wolle wirklich Einwanderer bestrafen. In Wirklichkeit verhängt es Beschränkungen für das Sexualleben aller schwedischen Bürger.

Ukraine und USA als Ziel

Diese Woche hat die Desinformationskampagne auch aktiv die Probleme der Ukraine übertrieben. Man vernahm, dass ukrainische Bürger in Massen aus der EU vertrieben würden. Das einzige Problem dieser Meldung besteht darin, dass die vorgelegten Zahlen in dem Desinformationsartikel diese Schlussfolgerung nicht unterstützen. Genauso unbegründet ist die Behauptung, wonach die Europäische Kommission die Ukraine beschuldige, die EU mit Heroin zu überfluten.

Die USA als weiteres traditionelles Ziel der Desinformationskampagne wurde wieder einmal ohne Beweise beschuldigt, den IS zu trainieren und zu bewaffnen sowie der humanitärer Hilfe in Syrien zu blockieren.

Am Ende bleibt die Frage, was die Desinformationskampagne für Auswirkungen hat. Das unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut Levada veröffentlichte am Mittwoch darauf eine Antwort bezüglich der Auswirkungen auf das russische Publikum. Gemäß der Umfrage glauben 66% der russischen Befragten, dass Russland Feinde habe. Und die Top 3-Feinde fallen exakt mit den Ländern zusammen, die am meisten von Desinformation betroffen sind: 1. USA (68%), 2. Ukraine (29%) 3. Europa/Europäische Union (14%).

Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch)

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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