Olympia als Waffe
Am 5. Dezember schloss das Internationale Olympische Komitee Russland von den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang aus. Grund war die systematische Manipulation von Anti-Doping-Regeln in Russland während der Olympischen Winterspiele vor drei Jahren in Sotschi. Einzelne russische Athleten dürfen trotzdem unter der Olympischen Flagge teilnehmen.
Die erste Reaktion der Desinformationskampagne war für das heimische Publikum in Russland bestimmt, um zur Verteidigung der belagerten Festung zusammenzurufen und jegliche innere Kritik oder Forderungen gegenüber den Behörden zu vermeiden.
In militärischen Begriffen über Olympia zu reden, das war die Strategie, um diese Nachricht durchzubringen. Wir hörten daher, dass der Ausschluss aus den Winterspielen „ein Krieg gegen Russland“ sei, wie dass es bei „Olympia nie um Sport gegangen ist, sondern um Krieg“. Die Behauptung, dass „das IOC Russland demütigt“ wurde mehrmals in den Nachrichten im russischen Staatsfernsehen wiederholt. Die einzelnen Athleten, die in Betracht ziehen, bei den Spielen nicht unter der russischen Flagge anzutreten, wurden als „unpatriotisch“ bezeichnet. Eine Verschwörungstheorie wurde verbreitet, wonach dies eine vom Westen vorbereitete Operation sei, um Russland im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2018 zu diskreditieren.
Im nächsten Schritt wandte sich die Desinformationskampagne an das internationale Publikum. Hier war das Hauptziel, die Ermittlungen zu Russlands staatlich unterstütztem Dopingsystem mit der Behauptung anzuzweifeln, bei der Sperre ginge es nicht um Sport oder Doping, sondern um russophobische westliche Eliten, die sich für einen „endlosen Krieg“ einsetzten.
Die Kriegsrhetorik könnte nicht weiter weg von der Olympischen Idee sein, die „mithilfe des Sports eine friedlichere und bessere Welt“ schaffen will, wie es in der maßgeblichen von der UN-Generalversammlung verabschiedeten Resolution heißt. Wie üblich bei der kremlfreundlichen Desinformationskampagne, könnte die Rhetorik nicht weiter von den tatsächlichen Fakten entfernt sein. Die Tradition des „Olympischen Friedens“ ist in Wirklichkeit schon fast dreitausend Jahre alt.
„Gastronomischer Genozid in Griechenland“—nein, die EU verbietet den Kebab nicht
Die „Genies“ des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission würden ernsthaft erwägen, sowohl Gyros als auch Kebab in dem Land zu verbieten, welches „die Wiege der Zivilisation“ genannt werde: So schrieb serbische Ausgabe von Sputnik in einem Artikel mit der Überschrift „Das griechische Szenario für Serbien“. Serbien solle es sich demnach gut überlegen, ob es die Ehe mit der EU aus Liebe oder zu eigenem Vorteil eingehen wolle. Wie Sputnik schreibt, wäre es in jedem Fall so, als würde ein Opfer seinen oder ihren Vergewaltiger heiraten, da die orientalischen Einflüsse in der serbischen Küche ursprünglich aus Griechenland kämen, welches nun von einem „gastronomischen Genozid“ bedroht sei. Genozide oder Völkermorde sind ein wiederkehrendes Thema in den kremlfreundlichen Medien, wie neuerdings in seiner „linguistischen“ lettischen Form. Aber selten wird der Begriff “Genozid” dort so verwendet, dass es mit seiner tatsächlichen Definition übereinstimmt.
Dies ist nicht das erste Mal, dass kremlfreundliche Desinformationsmedien solche Behauptungen entwickeln. 2016 wurde die traditionelle europäische Küche „von muslimischen Bürgern angegriffen“ genannt.
Natürlich verbietet die EU keine Kebabs. Die Desinformation wurde verbreitet, als der Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments Bedenken über die Auswirkungen von Phosphaten erhob, die in Lebensmittelzusatzstoffen enthalten sind.
Es ist auch schwer zu verstehen, warum Serbien als Vergewaltigungsopfer der EU am Stockholm-Syndrom leiden sollte, wie Sputnik nahelegt. Serbien hat erklärt, der EU-Beitritt gelte als strategisches Ziel. Außerdem ist Serbiens Status als EU-Beitrittskandidat sichergestellt.

Ein Screenshot aus Sputnik Serbia: „Das griechische Szenario für Serbien“.
Kein weißer Phosphor in der Ukraine
Am 9. Dezember wurden französische Twitternutzer darüber informiert, dass die ukrainische Armee vermutlich ein Gebäude zur Wasseraufbereitung im von Rebellen kontrollierten östlichen Teil der Stadt Donezk in der Ostukraine mit weißem Phosphor beschossen hätte.
Der Tweet war zu einem Artikel von Novorossia Today verlinkt, eine Webseite, die von den prorussischen separatistischen Rebellen in der Ostukraine betrieben wird. In dem Bericht war ein Video des angeblichen Angriffs eingebettet.
Die Behauptung wurde sofort von der Speziellen Beobachtermission in der Ukraine (SMM) der OSZE widerlegt.
Am 8. Dezember nahm eine Kamera der SMM an dem Donezker Gebäude zu Wasseraufbereitung tatsächlich Verletzungen der Waffenruhe auf. Doch die OSZE schrieb in ihrem täglichen Bericht, dass die Projektile von Osten nach Westen geflogen seien und nicht von Westen nach Osten. Die OSZE erwähnte auch nirgends weißen Phosphor.
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