Rückkehr ins Mittelalter?

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Diese Woche unternahm die kremlfreundliche Desinformation eine Zeitreise ins Mittelalter: sie behauptete, der Westen und/oder die NATO planten, Russland nach dem Fall der UdSSR auf die Größe des historischen Großfürstentums Moskau zu verkleinern. Für alle, die sich nicht mehr an die Grenzen dieses Großfürstentums erinnern: hier gibt es eine Karte. Wie in jedem guten Spionageroman kam dies alles aus geheimen Dokumenten, die sich der russische Geheimdienst beschafft hatte—und anscheinend schnell an Sputnik weitergereicht hat. Es gab keine weiteren Informationen darüber, warum der Westen und/oder die NATO planen würden, Russland nach mittelalterlichen Grenzen zu zerteilen, aber diese merkwürdige Desinformation wurde in russisch– und in englischsprachigen Medien wiederholt. Diese Behauptungen gingen nicht mit Beweisen einher.

Das war allerdings nicht die einzige Desinformation, die den Westen als böse darstellte. Wie wir schon hervorgehoben haben, ist der Westen der Lieblingsfeind in der kremlfreundlichen Echokammer. Der Westen wurde auch beschuldigt, mit der Wiederkehr des Großfürstentums Moskau noch nicht zufrieden zu sein, sondern Russland ganz von der Landkarte löschen zu wollen. Es gab auch Behauptungen, dass ein Krieg der Welten begonnen habe, und die Sanktionen gegen Russland wurden als Kampf gegen die slawische Welt dargestellt. Dass die die EU und die USA ihre Sanktionen gegen Russland wegen der illegalen Annexion der Krim verhängt haben, wurde natürlich nicht erwähnt.

Die USA wurden nicht nur als Feind Russlands dargestellt, sondern auch als Feind Europas. Eine tschechische Webseite behauptete, die USA beabsichtigten, Europa zu besetzen und die Unabhängigkeit des Kontinents zu zerstören. Des Weiteren wurde im russischen Staatsfernsehen behauptet, die Ukraine verwirkliche einen von den USA entworfenen geheimen Plan für einen Völkermord an ethnischen Russen im Donbas. Die Desinformation über einen Völkermord in der Ostukraine kehrt immer wieder. Sie wurde aber niemals bewiesen und immer nur von kremlfreundlichen Medien berichtet.

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Die Ukraine in den Schlagzeilen

Diese Woche war die Behauptung des Völkermordes nicht die einzige Desinformation über die Ukraine. Wie üblich gibt es eine Fülle von falschen Vorwürfen zum diesem Land. Von den üblichen Anschuldigungen abgesehen – die ukrainische Regierung seien Terroristen und der derzeitige Präsident sei durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen – sah man auch einige weniger häufige Desinformationen: Über Polen wurde behauptet, es bereite die Schließung seiner Grenzen mit der Ukraine vor, während in Wahrheit ein Pilotprojekt für Fußgängerverkehr an einem Grenzpunkt wie geplant im Juni endet. Auf einer anderen Webseite wurde ebenfalls behauptet, Polen sei unwillig, anreisende Ukrainer aufzunehmen. In einem besonders verwirrenden Artikel von Sputnik wurde behauptet, Kiew wolle Frankreich und Deutschland für den Wiederaufbau des Donbas zahlen lassen. Der Artikel ist verwirrend, weil sich die Überschrift nicht in dem Artikel wieder findet—die Aussage kommt nicht von Kiewer Beamten, sondern von einem kremlfreundlichen Analysten. Das ist eine Taktik, die Sputnik oft verwendet, um Desinformationen und Unklarheiten zu verbreiten, ohne sie mit Beweisen zu belegen.

Sputnik erfindet Kiewer Politik

Sputnik erfindet Kiewer Politik

Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch):

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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