Mit Dreck um sich werfen und hoffen, dass etwas davon hängen bleibt
Seit dem 24. Februar dieses Jahres unternimmt Russland alles, um mithilfe seines diplomatischen Netzwerks über verschiedene Social-Media-Plattformen Desinformationsnarrative zu verbreiten.
Beispielsweise startete die EU letzte Woche die militärische Unterstützungsmission der Europäischen Union zur Unterstützung der Ukraine. Das Ziel der Mission ist, das militärische Potenzial der ukrainischen Streitkräfte zu steigern, damit sie die territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine verteidigen sowie die ukrainische Zivilbevölkerung vor Russlands willkürlichen Angriffen auf das Land schützen zu können.
Zwei Tage nach Beginn der Mission wurde auf der Website des russischen Außenministeriums eine Seite eingerichtet, die die Mission untergräbt und der EU eine Eskalation vorwirft. Nur 10 Minuten später wurde im Telegram-Kanal des russischen Außenministeriums ein Link zu der Seite gepostet. Kurz darauf wurde die Nachricht von über 100 Telegram-Kanälen weitergeleitet, darunter jene von Maria Zakharova und mehreren russischen Botschaften weltweit.
Eine ähnliche Verbreitung fand auf Twitter und Facebook statt, als Inhalte der militärischen Unterstützungsmission der Europäischen Union zur Unterstützung der Ukraine, die vom russischen Außenministerium gepostet wurden, von über 10 Accounts russischer Diplomatinnen und Diplomaten auf Twitter und von 15 auf Facebook geteilt wurden. Sputnik Africa und die spanische Version von Sputnik posteten ebenfalls Artikel, in denen der irreführende Text zitiert wurde.
Der Kreml nutzt wahrscheinlich diplomatische Netzwerke zur Verbreitung von Desinformation, um die EU-Sanktionen zu umgehen, mit denen fünf russische Desinformationsmedienkanäle belegt sind. Die EU sanktionierte diese Medien aufgrund ihrer Rolle bei der Verbreitung von Desinformation, die Russlands Invasion der Ukraine rechtfertigen, Russlands Nachbarländer destabilisieren und die EU und ihre Mitgliedstaaten schwächen sollte.

Zeit für die Fakten – oder auch nicht
Am 17. November kam das Bezirksgericht Den Haag zu einer lang erwarteten Entscheidung im Kriminalfall MH17, in der die Russen Sergey Dubinskiy und Igor Girkin sowie der Ukrainer Leonid Kharchenko zu lebenslänglicher Haft dafür verurteilt wurden, dass sie Flug MH17 abgeschossen und damit 298 Personen an Bord ermordet hatten. Der vierte Verdächtige, ein russischer Staatsbürger namens Oleg Pulativ, wurde freigesprochen.
Die kremlfreundlichen Desinformanten lehnten die Entscheidung schnell ab, bezeichneten den Fall als rechtsungültig, beschuldigten die Ukraine und stellten die Integrität des niederländischen Rechtssystems in Frage.
Wenn diese Behauptungen ähnlich klingen, liegt das daran, dass sie es sind. Seitdem das Verbrechen 2014 begangen wurde, hat das russische Desinformationssystem jede mögliche Anstrengung unternommen, um sämtliche Schuld auf andere abzuwälzen. Wenn Sie sich für weitere Beispiele des Modus Operandi des Kremls interessieren, finden Sie bei uns über 330 Fälle zu MH17.
Fokus auf energiebezogene Desinformationsnarrative
Anfang dieser Woche griffen einige kremlfreundliche Desinformationsmedien und Social-Media-Kanäle auf Telegram und Twitter den Hohen Vertreter der EU Josep Borrell an, um ihn zu diskreditieren. Sie versuchten, den Anschein zu erwecken, als hätte er gesagt, dass die Beheizung von Wohnungen auf über 18 Grad ein Verbrechen wider europäische Werte sei.
Zur Richtigstellung: Nein, der Hohe Vertreter Josep Borrell hat nichts dergleichen gesagt. Die Behauptung stammt von einem Telegram-Kanal, der klar zu erkennen gibt, dass er ausschließlich satirische Inhalte und falsche Informationen postet. Auf diesem Kanal wurde später eine weitere frei erfundene Aussage des Hohen Vertreters Borrell gepostet, in der Behörden aufgefordert werden, die Person zu bestrafen, die in seinem Namen falsche Informationen verbreitet.
Die Ausnutzung bestehender satirischer Medien ist typisch für kremlfreundliche Desinformationssysteme, sei es aus Arglist, Gerissenheit oder reiner Dummheit. Letztes Jahr berichteten wir vom Fall Panorama, einer satirischen russischen Website, deren Geschichten regelmäßig von russischen Staatsmedien und hochrangigen Beamten für bare Münze genommen wurden.
Das Narrativ, das zum Angriff auf den Hohen Vertreter Borrell angeführt wurde, kommt auch im Lehrbuch des Kreml häufig vor und soll Misstrauen gegenüber europäischen Behörden sähen und Europas Energiesparmaßnahmen ins Lächerliche ziehen.
Zwei weitere Desinformationsversuche stechen hervor. Beim ersten versuchten kremlfreundliche Desinformanten, die EU vor dem Hintergrund hoher Energiepreise zu diskreditieren. Dazu verbreiteten sie ein bizarres Video, das einen Werbespot für ein russisches Café in Berlin zeigte, in dem das Leben im Deutschland der nahen Zukunft dargestellt wird, nachdem Putin Kanzler von Europa geworden war. Achtung Spoiler: Bislang gibt es kein derartiges Café in Berlin.
Beim zweiten verbreiteten Anfang dieses Monats einige kremlfreundliche Desinformationskanäle ähnliche, professionell erstellte Videos über die angebliche Härte des nahenden Winters im Vereinigten Königreich. Das Hochladen von Materialien auf anonyme YouTube-Kanäle, die alle nur sehr wenige Abonnenten haben und hauptsächlich dazu dienen, diverse Videos mit Kreml-Narrativen zu hosten, verschleiert die russische Herkunft dieser Videos und macht sie für ein westliches Zielpublikum schmackhafter.
Weitere Fälle von Desinformation der vergangene Woche:
- Der Westen und Selenskyj verursachten in der Ukraine eine Hungersnot und flehten Russland um Hilfe an. Nein, nein und nochmals nein. Es gibt keine Hungersnot in der Ukraine, nur Russland gefährdet die weltweite Ernährungssicherheit und die Ukraine bittet Russland definitiv nicht um Hilfe.
- In Polen eingeschlagene Raketen stammten aus der Ukraine, aber der Westen beschuldige wie immer Russland. Obwohl Russland die größte Verantwortung für den Vorfall trägt, da es den illegalen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt, haben polnische Behörden und NATO-Repräsentanten hervorgehoben, dass dieser Raketenunfall kein vorsätzlicher Angriff auf Polen war.