SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND, WER IST DER SCHLIMMSTE IM GANZEN LAND?
Väterchen Frost bringt dieses Jahr wohl keine Geschenke für die Kreml-Propagandisten, die alle in ihre Schlammschlacht mit hineinziehen wollen.
Diese Woche beleuchten wir wieder, wie der Kreml versucht, die Solidarität Europas mit der Ukraine durch gezielte Falschmeldungen und die Manipulation von Informationen anzugreifen. Außerdem, wie die russische Propagandamaschinerie auch weiterhin führende Politiker der EU – aktuell den EU-Außenbeauftragten Joseph Borrell – ins Visier nimmt. Und schließlich schauen wir auf die nicht enden wollende Kreml-Taktik der Desinformation, mit der dieser zum x-ten Mal versucht, seinen rechtswidrigen und unprovozierten Einmarsch in der Ukraine zu rechtfertigen.
Lügen und Raketen terrorisieren die Ukrainer
Russland terrorisiert die ukrainische Bevölkerung immer wieder mit Raketenangriffen auf die zivile Infrastruktur, um den Menschen das Leben während der harten Wintermonate unerträglich zu machen und sie dazu bringen, ihre Häuser zu verlassen. Gleichzeitig greift das pro-russische Desinformationssystem gezielt mögliche Aufnahmeländer für ukrainische Flüchtlinge sowohl im Westen als auch in Zentralasien an.
Das Bombardement der Fehlinformationen umfasst Meldungen, dass Ukrainer nicht willkommen seien oder dass diejenigen, die schon da sind, wieder abgeschoben werden sollen. Auf YouTube zum Beispiel werden falsche Posts und bearbeitete Bilder von Graffitis in europäischen Großstädten gesendet (siehe auch frühere Enthüllungen auf Myth Detector). Die Absicht dahinter ist es, den falschen Eindruck zu erwecken, dass Ukrainer bei den Einwohnern der Aufnahmeländer unerwünscht sind oder dass diese die Unterstützung der Ukraine als Belastung ansehen.
Mit derartigen Lügen wird versucht, in den europäischen Flüchtlingszielen Angst und Intoleranz gegen Ukrainer zu schüren. Außerdem soll die im Westen verbreitete Solidarität mit der Ukraine untergraben werden, welche als Rückhalt für die militärische und finanzielle Unterstützung der Regierungen wichtig ist. Die Kreml-Propagandisten wollen die Ukrainer sogar davon überzeugen, dass die Unterstützung des Westens nachlässt.
Solche Berichte sind Teil der zynischen und düsteren Kreml-Taktik, mit der die Ukrainer physisch und mental geschwächt werden sollen – physisch durch die Zerstörung ihrer Häuser und der Infrastrukturen für Strom, Heizung und Wasser und mental durch die Zerstörung ihrer Hoffnung und ihrer Widerstandskraft. Aus Desinformation wird der Stoff gewebt, aus dem psychologische Kriegsführung besteht. Der totale Krieg nach dem modernen Drehbuch des Kreml.
Einiges davon wird schon hängenbleiben
Wie wir bereits früher berichtet haben, haben die Kreml-Propagandisten die widerliche Angewohnheit, mit Dreck um sich zu werfen in der Annahme, dass wenigstens etwas davon schon hängenbleiben wird. Die Methode ist so alt wie die menschliche Gier nach Gerüchten und Skandalen.
Zur Schmutzkampagne gegen hochrangige EU-Politiker gehörte der Versuch, den Außenbeauftragten Joseph Borrell mit einer laufenden Korruptionsuntersuchung im Europäischen Parlament in Verbindung zu bringen. Damit wird eine Reihe von früheren Attacken fortgesetzt, wie zum Beispiel die kürzliche Bestrebung, die Äußerungen des Politikers als taktlos hinzustellen. Dafür wurde der bekannte, und billige, Trick angewendet, bei dem Zitate zusammenhanglos oder auf missverständliche Weise wiedergegeben werden, um Verwirrung zu stiften.
Russland gehört nach wie vor zu den korruptesten Ländern der Welt. Die oben beschriebene Vorgehensweise ist der Versuch des regierungsfreundlichen Desinformationssystems, die Aufmerksamkeit von den eigenen Problemen abzulenken, indem andere beschuldigt werden. Ferner ist es die opportunistische Bemühung die aktuellen Themen des Tages zu benutzen, um führende EU-Politiker schlecht dastehen zu lassen, ihre Arbeit in Misskredit zu bringen und Unmut in der Bevölkerung zu schüren.

Weitere Kreml-freundliche Täuschungsmanöver, die uns diese Woche aufhorchen ließen:
- Radikale Islamisten aus Syrien auf dem Weg in die Ukraine, um für Kiew zu kämpfen. Nein, es gibt absolut keinen Beweis für derartige Aktivitäten. Allerdings gibt es unzählige Hinweise darauf, dass pro-russische Desinformationsverbreiter versuchen, die berechtigten Verteidigungsbestrebungen der Ukraine zu verunglimpfen und zu beschmutzen, indem sie diese mit starken negativen Konnotationen belegen wie Terrorismus und Nazismus. Diese wiederholt angewendete Taktik ist nur ein weiterer Versuch des Kremls, diesen illegalen Krieg gegen die Ukraine sowohl im Inland als auch im Ausland als rechtmäßig zu verkaufen.
- Großbritannien bildet mit seinen Getreuen eine anti-russische Koalition. Diese Kreml-freundliche Desinformation soll auf zweierlei Weise beeinflussen: erstens durch die Heraufbeschwörung der oft bemühten Theorie „Hinter allem stecken die Engländer“ und zweitens durch die Anspielung, dass die baltischen Staaten und Polen nur noch über eingeschränkte oder sogar über gar keine Souveränität mehr verfügen und nur noch als Marionetten für Kräfte von außen fungieren. Solche Desinformationen sind der verzweifelte Versuch der pro-russische Propagandisten, einen Keil zwischen traditionell befreundete, westliche Nationen zu treiben und die Schuld für den aktuellen Stand der Dinge zwischen Russland und dem Westen von sich abzulenken.
- US-Firmen unterstützen die Vorbereitung chemischer Angriffe der Ukraine. Ein weiterer berühmt-berüchtigter Klassiker aus der großen Wundertüte der Kreml-Lügen. Mit mannigfaltigen Desinformationsmythen wie diesen soll die rechtswidrige, russische Invasion der Ukraine gerechtfertigt werden, indem behauptet wird, dass die Ukraine durch die Hilfe der westlichen Länder ABC-Waffen (mehr Informationen hier und hier) besitzt und diese potenziell einsetzt. Außerdem sprechen solche Behauptungen auch große Tabus an, die mit derartigen Waffen verbunden sind und sollen so die Gegner des Kreml denunzieren. Schließlich, und das ist besonders besorgniserregend, wird durch solche Behauptungen informationstechnisch der Boden bereitet und ein Vorwand geliefert, mit dem der potenzielle Erstschlag mit diesen Waffen durch die russischen Besatzungstruppen auf dem Gebiet der Ukraine verschleiert werden soll.
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