Was 2017 nicht passiert ist
Am Ende des Jahres schaut man gerne auf die vergangenen zwölf Monate zurück, um das Geschehene zusammenzufassen. Doch blickt man auf das Jahr in der kremlfreundlichen Desinformation, geht es eher darum, was alles nicht passiert ist.
Während des Jahres wurden wir Zeugen von vielen spektakulären Behauptungen kremlfreundlicher Sprachrohre, wie in etwa der bevorstehenden Gefahr eines Bürgerkrieges in Schweden, des Abwurfs eine Atombombe aus einem amerikanischen Flugzeug über Litauen und der Besetzung Europas als Ziel der USA. Unter den Dingen, die erst letzte Woche behauptet wurden, aber nicht stattfanden, befindet sich ein ungeschickter ukrainischer Soldat, der sich nicht selbst in die Luft gesprengt hatte (es handelte sich um ein zum Spaß produziertes Video), Vergewaltigungsfälle in Schweden, die um tausend Prozent gestiegen seien (tatsächlich hat es im Vergleich zu 2015 einen Anstieg von 1,4% gegeben) und die Forderung von Papst Johannes Paul II, dass der Einfall von Migranten enden müsse (was er einfach nie gesagt hat). Abgesehen davon konnte man beobachten, wie die üblichen kremlfreundlichen Narrativen sich ständig wiederholen.
In dem ständigen Fluss der Desinformationen konnte man einige generelle Themen ausmachen. Hier haben wir diese für Sie zusammengefasst:
Das gute Russland
Hier wird Russland als unschuldiger Akteur beschrieben, der alles tut, um die Probleme der Welt zu lösen, jedoch ständig vom „Westen“ misshandelt wird. Während seiner alljährlichen Pressekonferenz letzte Woche wiederholte Präsident Putin zwei der am häufigsten wiederkehrenden Themen: Dass Russland nicht am Krieg in der Ukraine beteiligt sei und dass die Krim sich selbst für ihre Schicksal entschieden habe. Wie man weiß, erkennt die Europäische Union die illegale Annexion der Krim nicht an, außerdem ist das Büro des Anklägers des Internationalen Strafgerichtshofes zu dem Schluss gekommen, dass die Situation auf der Krim und in Sewastopol einem internationalen bewaffneten Konflikt zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation gleichkomme. Unterdessen wiederholte das russische Staatsfernsehen die Behauptung, Sanktionen verfolgten das Ziel Russland zu zerstören, wobei jedoch eindeutig ist, dass diese von der internationalen Gemeinschaft erlassen wurden, weil Russland sich entschieden hatte, internationales Recht zu brechen.

Der böse Westen
In der Sphäre der kremlfreundlichen Desinformationen wird der „Westen“ als russophobisch beschrieben und als verantwortlich für Demütigung und Diskreditierung Russlands dargestellt; er ist undemokratisch, nicht vertrauenswürdig und der Doppelmoral schuldig, unmoralisch und im Niedergang sowie ein internationaler Aggressor. Zum Beispiel wurde diese Woche im staatlichen russischen Fernsehen Polen beschuldigt, es beabsichtige in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten, Russen zu versklaven. Und das Vereinigte Königreich wurde beschuldigt, Russland während der bevorstehenden Olympischen Spiele demütigen zu wollen. Der russische Außenminister wiederholte einiges davon in einem Interview und sagte, die NATO habe Russland ein Versprechen gegeben, nicht nach Osten zu expandieren, sowie dass die NATO in Polen und den baltischen Staaten ihre Truppen auf intransparenten Wegen stationiere. Die Widerlegung dieser Behauptungen finden Sie hier und hier.
Der Fall Ukraine
Wenn Sie den Disinformation Review aufmerksam lesen, werden Sie bemerkt haben, dass die Ukraine einen besonderen Platz in der (Un-)Wirklichkeit der Desinformation einnimmt. Ukrainer werden oft als Faschisten, Unterdrücker, Aggressoren und Ausländerhasser bezeichnet. Die Ukraine wird als ein künstliches Land dargestellt, am Scheitern, auseinanderfallend und allein; russische Aktionen bezüglich der Ukraine hingegen als legitim und legal. Letzte Woche konnte man einige Beispiele dafür beobachten. In kremlfreundlichen Medien wurde behauptet, dass Präsident Poroschenko von den USA an die Macht gebracht wurde, um eine nationalistische Regierung aufzubauen und dass der ukrainische Staat dem Donbass den Zugang zu Wasser und anderen Dingen verweigere. Wie wir jetzt wissen, ist die Regierung in Kiew nicht nationalistisch gesinnt und durch Volksproteste und demokratischen Wahlen an die Macht gekommen. Das Wasser in Luhansk wurde vom örtlichen Energieversorger abgedreht, da die Rechnungen nicht gezahlt wurden.
Was wir uns zu Weihnachten wünschen: ein Raum frei von Desinformation. Aber wir bedauern zu sagen, dass dies wahrscheinlich nicht das letzte Mal ist, dass Sie die obigen Darstellungsweisen sehen werden. Die Wiederholung ist die Mutter der Desinformation und so hoffen wir, dass eine gute Kenntnis dieser Narrativen Ihnen in Zukunft helfen wird, Desinformationen zu erkennen und zu widerlegen. Damit wünschen wir Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.
Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch)