Lügen, manipulieren, verbreiten, ändern und weiterverbreiten

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Sputnik Polska als Spitze des Eisbergs einer Desinformationskampagne.

Die Infiltration des Informationsraums durch kremlnahe Akteure geht weit über staatlich finanzierte Medien oder Trollfabriken hinaus. Wie der neue Bericht von Info Ops Polska zeigt, kann Desinformation von diversen Akteuren über verschiedene Wege verbreitet werden, sodass die Empfänger schließlich die eigentliche Quelle oder die Tatsache, dass es sich um Fake News handelt, nicht mehr erkennen. Die Verfasser des Berichts befassen sich mit einem in Polen heiß diskutierten Thema, das häufig für Desinformationskampagnen genutzt wird: der ukrainisch-polnischen Geschichte und Beziehungen. Dazu verfolgen sie die Wege kremlfreundlicher Narrative durch den Cyberspace nach.

Am Anfang war die Website

Polen und die Ukraine eint eine lange, reiche und manchmal schmerzhafte Geschichte. Die beiden Staaten haben viel gemeinsam. Laut verschiedenen Statistiken leben und arbeiten zwischen 900 000 und 1,2 Millionen ukrainische Staatsbürger in Polen. Die Einwanderung begann 2014, als sich die Lage im Osten der Ukraine durch die russische Aggression verschlechterte. Die polnische Volkswirtschaft bot zahlreiche Chancen. Angesichts dieses Hintergrunds ist das Thema nach wie vor weit oben auf der politischen Agenda – sowohl im Hinblick auf Information als auch Desinformation.

Sputnik Polska verbreitet aktiv Desinformationsnarrative zu diesem Thema. Bei einem davon geht es um gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen, die vielen Polen sehr am Herzen liegen. Einerseits wurde versucht, manipulative Botschaften zu senden, in denen den Ukrainern die Schuld für den geringeren Lebensstandard in Polen gegeben wird (der in den vergangenen Jahren übrigens dynamisch gestiegen und nicht gesunken ist). Andererseits wurde versucht, die Ukrainer als „Sklavenarbeiter“ darzustellen (ein Bild, das von EUvsDisinfo bereits mehrfach widerlegt wurde). Ziel dieses Narrativs ist es, Polen als Land zu schildern, in dem Menschen nicht fair behandelt werden, um die polnisch-ukrainischen Spannungen zu verschärfen und die Ukraine als Land ohne jede Zukunftsperspektive darzustellen, das seine Einwohner zwingt, als „Sklaven Polens“ ins Ausland zu gehen. Als ob das noch nicht genug wäre, befasste sich Sputnik Polska auch mit dem irreführenden Bericht des russischen Föderalen Dienstes für die Aufsicht im Bereich Verbraucherschutz und Schutz des menschlichen Wohlergehens, laut dem Ukrainer eine epidemiologische Gefahr für Polen sind. Dieses Narrativ verbreitete sich auch in den Mainstream-Medien und sein Ziel war nicht nur, Ukrainer negativ darzustellen, sondern die Einreise ohne Visum aus der Ukraine in die EU infrage zu stellen.

Wie der Bericht von Info Ops Polska zeigt, nutzt Sputnik Polska außerdem schwierige Themen aus der polnisch-ukrainischen Geschichte aus, um sein Publikum in Angst zu versetzen. Dazu wird die Ukraine als „vom Faschismus und dem Kult um Stepan Bandera besessen“ oder als verantwortlich für einen neuen atomaren Weltkrieg hingestellt.

Das Verteilungsmuster

Wenn eine Manipulations- oder Desinformationsbotschaft bei Sputnik Polska auftaucht, ist das jedoch nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer Informationsoperation. Verschiedene Akteure und Werkzeuge werden genutzt, um die Botschaften so weit wie möglich zu verbreiten und die Gruppen und Personen anzusprechen, die die größte Chance bieten, sie effektiv zu vervielfältigen.

Die Inhalte von Sputnik werden kopiert (und in manchen Fällen leicht abgewandelt) und über verschiedene Websites weiterverbreitet. Welche das sind, hängt vom jeweiligen Narrativ ab. In der nächsten Phase taucht dasselbe Narrativ auf verschiedenen Blogs auf. An diesem Punkt wird der Inhalt geändert, damit er zum vertrauten Stil des jeweiligen Bloggers passt. Die Stoßrichtung des kremlfreundlichen Narrativs bleibt jedoch. Als Nächstes kommen soziale Medien zum Einsatz, die je nach Botschaft sowie Präferenzen und Schwachstellen der Zielgruppe ausgewählt werden. Eine andere Form der Einmischung durch kremlnahe Akteure ist die Beteiligung an Diskussionen – sowohl in Onlineforen als auch in den Kommentaren auf verschiedenen Websites. Sie schreiben Kommentare und verlinken Websites, auf denen die ursprüngliche Botschaft von Sputnik verbreitet wird, oder Blogs. Die Links führen üblicherweise nicht zum Artikel bei Sputnik Polska, da die Botschaft durch das Verbergen der Verbindung zu offiziellen, kremlnahen russischen Quellen mehr Glaubwürdigkeit erhält.

Die letzte Phase der Informationsoperation ist das Micro-Targeting. Dabei wählen kremlnahe Akteure bestimmte kleine Gruppen oder sogar Einzelpersonen in der Hoffnung aus, sie dazu zu bringen, die Botschaften über ihre eigenen Kanäle zu verbreiten, wodurch der Ursprung noch effektiver verschleiert wird. Die Ziele werden je nach Präferenzen und Schwachstellen ausgewählt, die von den kremlnahen Akteuren umfassend analysiert wurden. Wenn die Operation erfolgreich ist, gelangt die Desinformationsbotschaft so in den Mainstream – in die sozialen und traditionellen Medien. Dies dient auch als Vorbereitung für ausgefeilte psychologische Operationen sowie andere Machenschaften aus der Trickkiste des Kreml.

Die hier beschriebene Vorgehensweise ist ein weiteres Beispiel für die allgemeinere Strategie des Kreml zum „Waschen von Informationen“, die bereits in mehreren Untersuchungen in unterschiedlichen Zusammenhängen beschrieben wurde (zum Beispiel von GMF, DFRLab und Avaaz). Es geht dabei darum, die Spuren ursprünglich kremlnaher Botschaften so gut wie möglich zu verwischen, um ihnen mehr Legitimität zu verschaffen. Dazu werden Fake-Accounts erstellt, „unabhängige“, scheinbar nicht mit Russland in Verbindung stehende Websites verwendet und die von Social-Media-Accounts geposteten Inhalte verändert.

Beim Waschen geht es offensichtlich nicht immer um Sauberkeit.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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