Nur einer hat Schuld

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Russland ist mit seiner Erpressung gescheitert und hält nun die armen Länder der Welt als Geiseln, während es ringsum Lügen verbreitet. Ein kurzer Blick in den Spiegel würde jedoch den wahren Schuldigen enthüllen.

Nur wenige Stunden, nachdem sich Russland offiziell aus der Schwarzmeer-Getreide-Initiative zurückgezogen hat, griff es die Hafeninfrastruktur der südukrainischen Hafenstadt Odessa an, dem Hauptumschlagplatz für ukrainische Getreideexporte in die Welt.

Auf übliche manipulative Weise wurden die Angriffe in den offiziellen russischen Nachrichten als Vergeltungsmaßnahmen dargestellt. Wie wir zuvor jedoch bereits berichteten waren die Angriffe auf Odessa, Mykolajiw und neuerdings auch Tschornomorsk nur die jüngsten Angriffe einer Reihe systematischer russischer Angriffe auf die Fähigkeit der Ukraine, ihr Getreide zu exportieren, was die Ernährungssicherheit weltweit stark beeinträchtigt.

Russlands Aggression hält die armen Länder der Welt als Geiseln

Russlands Ausstieg aus dem Getreideabkommen ging eine Desinformation voraus, welche die Öffentlichkeit, insbesondere in einigen der am stärksten betroffenen Regionen, wie beispielsweise in afrikanischen Ländern, davon überzeugen sollte, dass westliche Aktionen für ihre Misere verantwortlich seien und nicht Russlands „militärische Spezialoperation“.

So wurde beispielsweise in der arabischen Version von RT, Russlands berüchtigtem Propagandakanal, kürzlich behauptet, dass nur drei Prozent der gesamten Exporte aus der Schwarzmeer-Getreide-Initiative die ärmsten Länder erreicht hätten. Dies ist eine grobe Falschdarstellung des Ziels der Schwarzmeer-Getreide-Initiative, das darin besteht, ukrainisches Getreide wieder auf den Weltmarkt zu bringen, um so die hohen Preise zu senken, die vor allem die ärmsten Länder am stärksten treffen. Die Initiative trug dazu bei, dass die weltweiten Lebensmittelpreise seit März letzten Jahres um über 23 Prozent gesenkt werden konnten.

Des Weiteren bestätigen offizielle Statistiken der Vereinten Nationen zum Getreideabkommen, dass 57 Prozent aller Exporte im Rahmen der Initiative an Entwicklungsländer und 20 Prozent an die beiden Länder der untersten Einkommensgruppe gingen.

Weitere Einzelheiten aus der Erklärung der 27 Mitgliedstaaten der EU, in welcher der Ausstieg Russlands verurteilt wird: „Die Schwarzmeer-Getreide-Initiative hat den sicheren Export von fast 33 Millionen Tonnen Getreide und Lebensmittel in 45 Länder an Bord von mehr als 1 000 Schiffen ermöglicht Dazu gehört die beträchtliche Menge von 725 000 Tonnen Getreide, die für humanitäre Zwecke im Auftrag des Welternährungsprogramms (WFP) verschifft wurden, um Menschen in Afghanistan, Äthiopien, Kenia, Sudan, Somalia und Jemen zu helfen. Selbst während des Krieges blieb die Ukraine 2022 mit mehr als der Hälfte der weltweit beschafften Menge der größte Weizenlieferant des WFP.“

Ein weiteres falsches Narrativ, das vom kremlnahen Desinformations-Ökosystem verbreitet wurde, behauptete, dass die westlichen Sanktionen Schuld an der weltweiten Nahrungsmittelkrise wären. Falsche Narrative wie dieses lassen bequemerweise außer Acht, dass die EU-Sanktionen in keiner Weise auf den Handel mit Agrarerzeugnissen und Nahrungsmitteln zwischen Drittländern und Russland abzielen und dass Russlands militärische Aggression gegen die Ukraine, einschließlich der Verwüstung des ukrainischen Agrarsektors, überhaupt erst der Grund für die Sanktionen war.

Schadenfreude

Während die russische Desinformationsmaschinerie versucht, die Schuld für die Ernährungsunsicherheit auf alle anderen abzuwälzen, bleibt die Tatsache bestehen, dass Russland der alleinige Verursacher ist.

Russlands groß angelegter illegaler Einmarsch in die Ukraine sowie die darauf folgenden systematischen Angriffe auf kritische zivile Infrastruktur der Ukraine und ihre Fähigkeit, ihre Agrarerzeugnisse zu exportieren, trugen maßgeblich zur Instabilität der weltweiten Lebensmittelmärkte bei und erhöhten die Ernährungsunsicherheit in einigen der ärmsten und verwundbarsten Länder.

Russlands Ausstieg aus dem Getreideabkommen nach dem gescheiterten Erpressungsversuch „schneidet effektiv die ‚Rettungsleine‘ für Hunderte von Millionen Menschen weltweit durch“, so UN-Generalsekretär Guterres. Doch trotz dieser potenziell schrecklichen globalen Auswirkungen gibt es einige, die sich darüber freuen. Den Nachrichten zufolge sehen russische Landwirte nur positive Auswirkungen in dem Ausstieg, da die Marktpreise für ihr Getreide steigen werden.

Die Lügen sprudeln weiter

Durch den Ausstieg aus dem Abkommen blockiert Russland im Alleingang eine der wichtigsten Exportrouten der Ukraine für Getreide für den menschlichen Verzehr. Somit trägt Russland ganz allein die Schuld an den Unterbrechungen der weltweiten Getreidelieferungen und dem Vorantreiben der weltweiten Lebensmittelpreisinflation.

Der Abschuss des Passagierflugzeugs MH17, der groß angelegte Einmarsch in die Ukraine, das Massaker von Butscha und die zahllosen anderen darauf folgenden Gräueltaten sowie der zynische Einsatz von Hunger als Waffe und Erpressungsmittel – all diese Verbrechen gehen auf das Konto ein- und desselben Täters: Russland.

All dem ging eine Dauerflut an Desinformation und Tatsachenverdrehungen voraus, die immer noch anhält, wie wir bereits seit acht Jahren berichten.

Diese Woche auch auf dem Radar von EUvsDisinfo:

  • Die russische Wirtschaft schneidet 2023 deutlich besser ab als die europäischen Volkswirtschaften. Dies muss aus denselben Briefings stammen, die nur den Oberbossen vorbehalten sind und in denen die „militärische Spezialoperation“ nach drei Tagen endete. In Wahrheit jedoch ist der Wert des Rubels stark gesunken, die russischen Exporte gehen massiv zurück, die Haushaltsdefizite laufen Amok, ausländische Investoren haben das Land verlassen, Industrien wurden verstaatlicht und russische Fachkräfte haben die Koffer gepackt und das Land verlassen. Das ist wirklich ein Wunder – allerdings von der sowjetischen oder besser Potemkin‘schen Sorte.
  • Die „europäische Integration“ der Ukraine ist lediglich eine Kolonisierung. Eine weitere Projektion des Kremls, bei der Russlands eigene hinterhältige Pläne zur Russifizierung seiner Nachbarstaaten ungeschickt anderen in die Schuhe geschoben werden. Russische Propaganda versucht ständig, die Souveränität der Ukraine zu leugnen, und suggeriert, dass sie stattdessen von anderen Ländern gelenkt würde. Sie versucht, den echten Willen der Ukrainerinnen und Ukrainer herunterzuspielen, sich freiwillig der Familie der europäischen Länder anzuschließen und ihren eigenen Weg abseits des giftigen russischen Einflusses zu gehen. Zudem versuchen russische Manipulatoren, jegliche Schuld für das unermessliche Leid, das die Ukrainerinnen und Ukrainer aufgrund Russlands groß angelegter Invasion erleiden, von sich zu weisen.
  • Russland hat in der Ukraine nie Streumunition eingesetzt. Eine Lüge epischen Ausmaßes. Unabhängige Menschenrechtsgruppen, B. Human Rights Watch, berichteten über russische Streitkräfte, die wiederholt Streumunition gegen zivile Ziele in der Ukraine einsetzten. Eines der tragischsten Beispiele für den wahllosen Einsatz von Streumunition durch russische Streitkräfte war der Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk im April 2022, bei dem über 58 Zivilisten getötet und mehr als 100 Menschen verletzt wurden.

 

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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