Wie man Freunde kauft und Menschen täuscht
Obwohl der Sommer in vollem Gange ist, scheinen die kremlfreundlichen Betreiber von Informationsmanipulationen dieses Jahr keine Pause einzulegen. Da Russlands illegaler Angriffskrieg gegen die Ukraine überhaupt nicht nach dem Plan des Kremls verläuft, unternimmt die russische Regierung eine Charmeoffensive, um die Welt davon zu überzeugen, dass Krieg Frieden ist, Freiheit Sklaverei bedeutet und Unwissenheit Stärke verleiht.
Letzte Woche war der Kreml Gastgeber des 2. Russland-Afrika-Gipfels in St. Petersburg, an dem nur 17 afrikanische Staatsoberhäupter teilnahmen, gegenüber 43 beim letzten Mal. Der jüngste Gipfel war eine Fortsetzung des ersten Gipfels, der 2019 im russischen Sotschi stattgefunden hatte. Am Schwarzen Meer hatte der Kreml den afrikanischen Staatschefs eine Reihe von rosigen Versprechungen gemacht. Spulen wir in die Gegenwart vor: Gräueltaten, Gewalt, Plünderungen und Desinformation in ganz Afrika durch die vom Kreml unterstützten und finanzierten Wagner-Kräfte sind wahrscheinlich die sichtbarsten Ergebnisse des Kreml-Engagements in Afrika.
Die kremlfreundlichen Informationsmanipulatoren ließen sich die gute Gelegenheit nicht entgehen und versuchten, eine große Show um das hochrangige Treffen zu veranstalten. Am 26. Juli, genau an dem Tag, an dem der Putsch in Niger begann und einen Tag vor dem Russland-Afrika-Gipfel, wurde auf Facebook ein Bild hochgeladen, das Jewgeni Prigoschin, der seit seinem Meutereiversuch im Juni nicht mehr offiziell in Russland gesehen wurde, mit Freddy Mapouka, dem Botschafter der Zentralafrikanischen Republik, zeigt. In kürzester Zeit verbreiteten mindestens 10 weitere Facebook-Kanäle und 30 Telegram-Kanäle das Bild mit unterschiedlichen Bildunterschriften. In einigen Beiträgen wurde behauptet, Prigoschin treffe sich mit hohen Beamten und Militärs aus der Zentralafrikanischen Republik, Mali und Niger. Andere unterstellten Wagner, sich gezielt auf einen Einsatz im Niger vorzubereiten.
Das war nicht die ganze Aufmerksamkeit, die Wagner erhielt (oder besser gesagt, die er auf sich zog). Am nächsten Tag postete der offizielle Kanal der Wagner-Gruppe in der Zentralafrikanischen Republik, @officersunion, auf Telegram eine Nachricht mit einem Bild, das angeblich einen Pro-Wagner-Protest in Mali zeigt. Einige Stunden später postete derselbe Account eine ähnliche Nachricht mit einem Video, in dem Pro-Wagner-Demonstranten zu sehen sind, dieses Mal angeblich in Burkina Faso. Am Abend lud @officersunion eine Nachricht mit einem Bild hoch, das einen dritten Pro-Wagner-Protest zeigte, der angeblich in der Zentralafrikanischen Republik stattfand. Mehrere Wagner-bezogene Telegram-Accounts verbreiteten diese Beiträge und erhielten über 250,000 Aufrufe in den ersten 24 Stunden.

Bemerkenswert ist auch, dass der Vorfall etwa zur gleichen Zeit begann, als ein Audio-Statement veröffentlicht wurde, das angeblich von Prigoschin stammte und in dem er seine Unterstützung für den Staatsstreich in Niger angab und ankündigte, er habe tausend Wagner-Söldner, die bereit seien, nach Afrika zu gehen, um die neue Regierung zu unterstützen.
Kein Getreide für dich, mein Freund
Eines der aktuellsten Themen im Mittelpunkt des Gipfels war die Ernährungssicherheit und, genauer gesagt, die Initiative für den sicheren Transport von Getreide und Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen, die den sicheren Transport von Getreide aus der Region gewährleistet. Wie wir alle wissen, ist das Abkommen am 17. Juli ausgelaufen, weil Russland sich aus dem Abkommen zurückgezogen hat. EUvsDisinfo hat in zwei aktuellen Artikeln über die kremlfreundliche Desinformation rund um das Abkommen berichtet..
In St. Petersburg versprach Putin sechs afrikanischen Ländern bis zu 50.000 Tonnen kostenloses Getreide in den drei Monaten nach Russlands Ausstieg, in dem Bemühen, die Ukraine aus dem Getreidegeschäft herauszuhalten und die Herzen und Köpfe der Afrikaner zu gewinnen. Zum Vergleich: Bis Juli 2023 wurden fast 33 Millionen Tonnen Getreide und andere Nahrungsmittel über die Initiative für den sicheren Transport von Getreide und Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen exportiert, bevor Russland sie zerschlug. Putins Angebot war nicht das, was sich die meisten Teilnehmer erhofft hatten, und nach zweitägigen Treffen verließen die afrikanischen Staatschefs Russland ohne ein neues Getreideabkommen.
Um den Rückzug Russlands aus der Initiative zu rechtfertigen, beharrte der Informationsmanipulationsapparat des Kremls trügerisch darauf, dass der Deal zu einem Geschäft geworden sei, das die Taschen des Westens auf Kosten der Bedürftigen füllt. Diese zweideutige Behauptung wird durch keinerlei Beweise gestützt und ist Teil einer breit angelegten Desinformationskampagne, die sich gegen die Initiative richtet. Mit all diesem falschen Getue soll die Schuld für die weltweite Nahrungsmittelkrise von Russland auf die EU und andere westliche Länder abgeschoben werden. Wir können davon ausgehen, dass der Kreml die Nahrungsmittelsicherheit weiterhin zynisch als Waffe einsetzen wird, das heißt, Sie können sicher sein, dass Sie sehr bald mehr von uns hören werden.
Diese Woche auch auf dem Radar von EUvsDisinfo:
- In einer orwellschen Verdrehung der Realität kam von News Front, ein vom Föderalen Sicherheitsdienst des Kremls (FSB) geleitetes Medium, die Behauptung, dass Russland eine friedliche Lösung der „Situation in der Ukraine“ nie abgelehnt habe. Dies ist ein wiederkehrendes und unverhohlen kremlfreundliches Desinformationsnarrativ, das darauf abzielt, Unterstützung zu gewinnen für Russlands Krieg gegen die Ukraine. Russland versucht nicht einmal, seine Pläne zu verbergen, Teile der Ukraine zu besetzen, vom Donbass bis zu den Grenzen der Republik Moldau.
- Da RT und seine regionalen Sprachversionen von der EU wegen der Unterstützung für Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sanktioniert wurden, suchen kremlfreundliche Desinformatoren ständig nach Umgehungsmöglichkeiten, um ihr Publikum in der EU zu erreichen. Für Spanischsprachige haben sie einen Ableger namens „¡Ahí Les Va!“ eingerichtet. In einem kürzlich von dem Medium veröffentlichten Artikel wird behauptet, dass die Wahlen in Spanien keine wirkliche Rolle spielen, da es „im Kongress keine euroskeptischen Parteien oder eine Opposition gegen die NATO gibt, weder auf der linken noch auf der rechten Seite“. Dies ist ein schaler Cocktail aus mehreren wiederkehrenden kremlfreundlichen Desinformationsnarrativen gegen die Demokratieund Souveränität. Da keine der führenden spanischen Parteien, die im Parlament vertreten sind, die brutale Invasion Russlands in der Ukraine unterstützt hat, zielt dieses Desinformationsnarrativ darauf ab, das demokratische System Spaniens zu diskreditieren. Dabei wird suggeriert, dass das Abstimmungsergebnis keine Rolle spielt, da die eigentlichen Entscheidungen anderswo getroffen werden.