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Desinformation aus journalistischer Sicht. Teil 5: Aserbaidschan

Vertrauenswürdiger Journalismus ist das Herzstück einer demokratischen Gesellschaft. Zur Feier des Welttags der Pressefreiheit hat EUvsDisinfo eine Artikelreihe veröffentlicht, um dem unabhängigen Journalismus in Ländern der Östlichen Partnerschaft eine Stimme zu verleihen. Teil 5. Aserbaidschan.

EUvsDisinfo sprach mit zwei aserbaidschanischen Journalisten und einer Journalistin über ihre Rolle in der Gesellschaft. Sie repräsentieren unterschiedliche Generationen des Journalismus in Aserbaidschan: Shahin Hajiyew arbeitet seit 1986 für die Presse und war damals von der „Perestroika“ in der Sowjetunion inspiriert; jetzt ist er Chefredakteur der Turan News Agency. Ilhamiyya Rza arbeitet seit 1989 für gedruckte und elektronische Medien, gewann die nationale „Hasan bey Zardabi“-Auszeichnung und arbeitet jetzt für Khazar TV, ebenso wie Seymur Kasimow, freiberuflicher Journalist seit 2002 mit Schwerpunkt auf Konfliktberichterstattung.

Das journalistische Arbeiten in Aserbaidschan ist eine Herausforderung und erfordert es, Desinformation in vielen Situationen entgegenzutreten, nicht nur auf Social-Media-Plattformen. Lesen Sie hier ihre Ansichten.

Warum ist Journalismus wichtig?

Ilhamiyya Rza:

Journalismus hat ja eine gemeinhin bekannte Aufgabe: Information der Öffentlichkeit. Eine uninformierte Gesellschaft ist blind. Daher wird das Gesetz der Information häufig das „Gesetz des Tageslichts“ genannt. Eine Gesellschaft ohne freie Medien ist zur Finsternis verdammt.

Shahin Hajiyew arbeitet seit 1986 für die Presse und war damals von der „Perestroika“ in der Sowjetunion inspiriert; jetzt ist er Chefredakteur der Turan News Agency.

Shahin Hajiyew:

Die Aufgabe des Journalismus ist es, den Menschen präzise, korrekte und objektive Informationen zu bieten, sie dabei zu unterstützen, die richtige Entscheidung, die richtige Wahl zu treffen.

Seymur Kasimow:

Menschen können ohne Informationen nicht leben. Informationen sind Nahrung, moralische Nahrung.

Wie oft begegnet Ihnen Desinformation?

Shahin Hajiyew:

Desinformation ist leider schon lange Realität. Sie kommt recht häufig vor und ist weitverbreitet. Die Gründe für die Verbreitung variieren. Manchmal geht Desinformation aus einem sorgsam geplanten Projekt hervor. Manchmal ist sie das Ergebnis von Unwissenheit oder mangelnder Bildung. Desinformation ist weiter verbreitet, wenn Journalistinnen und Journalisten unbedingt die Ersten sein wollen. Das heißt, sie wollen als Erste Informationen über eine „Sensation“ teilen, ohne Prüfung oder Genauigkeit.

Shahin Hajiyew arbeitet seit 1986 für die Presse und war damals von der „Perestroika“ in der Sowjetunion inspiriert; jetzt ist er Chefredakteur der Turan News Agency.

Ilhamiyya Rza:

Desinformation ist leider alltäglich geworden. Die Entwicklung sozialer Netzwerke schafft dafür günstige Bedingungen. Die Durchdringung aller Aspekte unseres Lebens durch das Internet macht sie unwiderstehlich. So sind die Medien ein Instrument zur weiteren Manipulation geworden.

Seymur Kasimow:

Der Informationsfluss ist häufig mit Desinformation gespickt. Um ehrlich zu sein, ist das unter den aktuellen Bedingungen wohl normal. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie nicht bekämpft wird.

Wie kann Desinformation Schaden anrichten?

Seymur Kasimow:

Sie kann Menschen täuschen. Sie kann die Ansichten der Menschen über das Leben im Allgemeinen ändern. Genau wie es positive Seiten der Informations- und Kommunikationstechnologien gibt, haben sie auch negative Seiten, nämlich weitverbreitete Falschmeldungen und Desinformation. Schuld sind nicht die Technologien, sondern bestimmte Gruppen oder Menschen, die sie ausnutzen.

Ilhamiyya Rza:

Das Hauptproblem sind Meinungen und Äußerungen, die auf Vorurteilen beruhen und die ohne Prüfung, was die echte Ursache des Problems ist, ausgesprochen werden.

Shahin Hajiyew:

Desinformation war schon immer eine politische und kriegsähnliche Methode. Wenn eine Gesellschaft anfällig für Trugschlüsse ist, oder wenn Trugschlüsse und falsche Ideen in der Gesellschaft vorherrschen, dann ist das eine reale Gefahr für die Politik, Wirtschaft und Moral.

Was ist Ihre Empfehlung zur Reaktion auf oder Vermeidung von Desinformation?

Shahin Hajiyew:

Die Leser- und Zuschauerschaft muss darauf achten, was sie hört und sieht. Anders gesagt, wenn im Fernsehen, in der Zeitung oder auf einer Website etwas gesagt oder geschrieben wird, ist das nicht automatisch wahr. Es ist aber nicht die Aufgabe normaler Bürgerinnen und Bürger, die verbreiteten Informationen zu prüfen. Aber wenn es die Politik eines Staates ist, die Öffentlichkeit mit Fehlinformationen zu versorgen und alternative Ansichten zu verbieten, unabhängige Medien einzuschränken, die Meinungsfreiheit zu unterbinden, das Internet zu kappen – dann ist das kein politisches Problem mehr, sondern ein Problem der Meinungsfreiheit.

Seymur Kasimow:

Zunächst sollten Sie nicht alle Nachrichten/Informationen glauben, die Sie lesen oder hören. Fragen Sie nach, wo die Informationen herkommen. Aus welchem sozialen Netzwerk oder von welcher Medienorganisation? Schauen Sie sich die Seite des sozialen Netzwerks an: Wer hat die Inhalte wann erstellt? Zweitens: Wenn Ihnen die Nachrichten völlig neu sind, fragen Sie sich warum. Warum sind Sie nie über diese Plattform gestolpert? Ein bisschen Nachforschen kann helfen, zu erkennen, ob eine Nachricht Desinformation ist.

Seymur Kasimow, freiberuflicher Journalist seit 2002 mit Schwerpunkt auf Konfliktberichterstattung.

Ilhamiyya Rza:

Es gibt für alle Informationen eine Möglichkeit, sie korrekt aufzubereiten und auf unvoreingenommene, ausgewogene Art und mit einer Primärquelle darzustellen. Desinformation lässt sich am besten dadurch entlarven, indem man sich beim Suchen und Teilen von Informationen an diesen Grundsätzen orientiert.

Traditionelle Medienkanäle sollten ihren Ruf als vertrauenswürdige Informationsmittler wiedererlangen und die Grundsätze und ethischen Regeln des Journalismus achten. Um Ansehen wiederherzustellen, heißt es, unparteiisch, ausgeglichen und ehrlich zu sein. Auch Öffentlichkeitsarbeit zu Desinformation sollte durchgeführt werden.

Was würden Sie im Rahmen des Welttags der Pressefreiheit gern sagen?

Seymur Kasimow:

Freiheit, Unabhängigkeit und Sicherheit! Das sind die Hauptfaktoren normalen Journalismus. Danach können wir uns Gedanken über Werbung und Finanzen machen. Wenn Journalismus zu diesen Bedingungen getätigt wird, dann ist es möglich, Fehlmeldungen und Desinformation wirksam zu bekämpfen.

Shahin Hajiyew:

Erwähnenswert ist, dass Redefreiheit und Meinungsfreiheit selbst in den autoritärsten und antidemokratischsten Ländern nicht zerstört wurde. Dennoch sind Redefreiheit und Meinungsfreiheit ein unausweichlicher und absoluter Faktor für die normale Entwicklung eines Landes. Wir in Aserbaidschan müssen unser Bestes geben, diese Aspekte zu entwickeln und die Gesellschaft voranzubringen.

 

***

Lesen Sie doch noch weitere Artikel der Reihe zur gemeinsamen Feier des Welttags der Pressefreiheit mit Journalistinnen und Journalisten. Das nächste und letzte Gespräch führt uns in die Republik Moldau. Vorherige Artikel: Teil 1. Belarus; Teil 2. Georgien; Teil 3: Armenien; Teil 4: Ukraine.

EDIT: Typos corrected.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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