Russische Medien leugnen Völkermord von Srebrenica, um von der Verantwortung für Butscha abzulenken

Das Srebrenica Memorial Center hat einen Bericht mit dem Titel „Denial of the Srebrenica genocide in the Russian media“ (Leugnung des Völkermords von Srebrenica in den russischen Medien) veröffentlicht. Er zeigt, wie namhafte russische Massenmedien, aber auch Blogger, Kommentatoren und Politiker, die Fakten über den Völkermord von Srebrenica abstreiten, um russische Verbrechen leugnen zu können.

Der wichtigste Fall, der für den Bericht analysiert wurde, ist Butscha.

Im April 2022 gelangten ukrainische Streitkräfte in die Stadt Butscha. Weltweit wurden in den Medien Fotos und Videos der Opfer auf den Straßen gezeigt. Dies führte zu einer internationalen Verurteilung der der russischen Armee zugeschriebenen Taten. Die russischen Medien bestritten die Verantwortung Russlands für die Ereignisse in Butscha und bezeichneten sie ähnlich wie die Geschehnisse in Srebrenica als inszenierte Provokationen oder Lügen. Die Strategie besteht darin, die beiden Ereignisse, in Butscha und Srebrenica, gleichzusetzen, um beider Glaubwürdigkeit zu schaden, indem sie als Hirngespinste dargestellt werden.

Allein im April 2022 wurden mehr als 30 Fälle aufgezeichnet, in denen der Völkermord von Srebrenica geleugnet wurde, unter anderem in russischen Mainstream-Medien. Hier ein Beispiel von First TV, einem staatlichen russischen Fernsehsender: „[…] und noch etwas zum jugoslawischen Srebrenica. Wie Sie vielleicht wissen, ist dieser Ort zum Synonym für den Völkermord an der muslimischen Bevölkerung geworden, der laut dem Westen im Juli 1995 von bosnischen Serben begangen wurde. Im Lauf der Zeit sind jedoch viele Fakten ans Licht gekommen, die beweisen, dass in Srebrenica eine gut geplante Operation ausgeführt wurde, hinter der westliche Geheimdienste standen.

In anderen russischen Medien ließen sich ähnliche Formulierungen, Ausdrücke und zeitliche Zusammenhänge der Veröffentlichung feststellen. Dies deutet auf ein koordiniertes Vorgehen, ein Muster und auf eine Verbindung zwischen den Massenmedien und der Sichtweise der russischen Regierung hin. Der Bericht zeigt, wie gefährlich diese Vorgehensweise für die Öffentlichkeit sein könnte, und schließt folgendermaßen:

Solche Verleugnungen können beträchtliche Auswirkungen haben, da sie die öffentliche Meinung beeinflussen und Skepsis gegenüber gut belegten historischen Wahrheiten schüren. Es ist unerlässlich, die Quellen solcher Informationen zu kennen und kritisch zu bewerten, insbesondere in Fällen, in denen Verleugnung genutzt wird, um historische Ereignisse zu verzerren.

Das Srebrenica Memorial Center hat den Bericht „Denial of the Srebrenica genocide in the Russian media“ in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Auslandsdienst und Forschenden aus dem Land anhand von Unterlagen aus den Jahren 2000 bis 2023 veröffentlicht.

Der Bericht erschien zum jährlichen Gedenktag an das Massaker von Srebrenica, das im Juli 1995 von der Armee der Republika Srpska (VRS) in Bosnien und Herzegowina begangen wurde. Mehr als 8 300 muslimische Jungen und Männer wurden in der und um die Stadt Srebrenica systematisch und gezielt getötet.

Diese Gräueltaten wurden 2004 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und 2006 vom Internationalen Gerichtshof als Völkermord eingestuft.

Die Tragödie von Srebrenica ereignete sich mitten im Krieg, der von 1992 bis 1995 in Bosnien und Herzegowina wütete und ca. 100 000 Opfer forderte, die Hälfte davon Zivilisten.

Hier finden Sie den vollständigen Bericht.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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